Flooding in Paraguay in 2019

Was ist El Niño?

Der Begriff “El Niño” wird verwendet, um eine Erwärmung der Wassertemperaturen im Pazifischen Ozean zu beschreiben. 

In der Regel sind die Wassertemperaturen im westlichen Teil des Pazifischen Ozeans (um Australien und Asien) höher und im östlichen (um die Westküste der amerikanischen Kontinente) kühler. Auch die vorherrschende Windrichtung verläuft von Osten Richtung Westen. Dies ist der neutrale Zustand der ENSO.

In einer El Niño Phase steigen die Temperaturen im Pazifischen Ozean, vor allem an der Küste Südamerikas. Die vorherrschenden Windverhältnisse über dem Pazifik werden schwächer oder kehren sich in Extremfällen sogar um. Dies kann einen starken Einfluss auf globale Wettermuster haben. So können einige Regionen eine höhere Anfälligkeit für Dürren und Hitzewellen erleben, während andere mit höherer Wahrscheinlichkeit starken Stürmen und Überschwemmungen ausgesetzt werden können. Generell steigen Temperaturen während einer El Niño weltweit an. Das weltweit heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen ist 2016 – ein El Niño Jahr.

People in ShelterBox office tracking a storm on a screen

Der Name El Niño heißt ‘der Junge’. Es wird vermutet, dass diese Bezeichnung von peruanischen Fischern im 17. Jahrhundert kommt, die um Weihnachten herum wärmere Meerestemperaturen feststellen konnten. Daher nannten sie es „El Niño de Navidad“ – das Christkind.

El Niño ist Bestandteil eines schwankenden Musters der Meerestemperaturen im Pazifik. Sein Gegenstück ist La Niña (das Mädchen). Dieses Phänomen setzt dann ein, wenn die Wassertemperaturen im Pazifischen Ozean unterdurchschnittlich sind. Auch dieser Zustand hat maßgebliche Auswirkungen auf globale Wetterverhältnisse. In der Regel treten El Niño sowie La Niña Phasen alle zwei bis sieben Jahre auf, wobei dazwischen Normalphasen liegen. Es besteht jedoch kein klares Muster und es gibt durchaus Anomalien – die Winter von 2020 und 2022 waren beispielsweise beide La Niña Ereignisse.

 

El Niño und La Niña Ereignisse dauern meist 9 bis 12 Monate an und ihre Einflüsse werden für die Nordhalbkugel vor allem im Winter gespürt.

People in desert like conditions with water carriers in Ethiopia

Hängt El Niño mit dem Klimawandel zusammen?

El Niño Ereignisse sind seit Hunderten von Jahren bekannt und sind ein natürlicher Bestandteil unseres Klimas. Dennoch sind Wissenschaftler:innen besorgt darüber, was die Auswirkungen von El Niño in Kombination mit dem Klimawandel sein könnten. 

Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit der Erwärmung unseres Planeten in El Niño Jahren weltweit Rekordtemperaturen gemessen werden könnten. Die World Meteorological Organization vermutet Rekordtemperaturen als Resultat der Kombination von El Niño und der Erderwärmung. 

It is very likely that as our planet gets hotter, El Niño years could see record global temperatures. Scientists from the World Meteorological Organization are predicting record global temperatures as a result of the combination of global warming and El Niño. Dies folgt auf mehrere weltweite Temperaturrekorde, die bereits im Jahr 2023 gebrochen wurden.

Dies könnte auch Folgewirkungen auf extreme Wetterereignisse, wie Dürren, Hitzewellen, Waldbrände, Stürme und Überschwemmungen haben.

Flooded building in Paraguay

Der Klimawandel erschwert auch die Vorhersage mancher bekannter Auswirkungen von El Niño.

Beispielsweise kam es in früheren El-Niño-Jahren zu einem Rückgang der Anzahl von Stürmen im Atlantik vor der Ostküste der USA und der Karibik. Der Klimawandel führt jedoch zu höheren Wassertemperaturen im Atlantischen Ozean, was hier wiederum zu Stürmen führen kann. Demnach ist es unklar, ob zukünftige El Niño Ereignisse den gleichen Effekt haben werden, wie bislang. 

Es wird in der Wissenschaft weiterhin diskutiert, ob der Klimawandel die Häufigkeit von El Niño Ereignissen beeinflussen wird. Einige Forschende halten es für möglich. Trotzdem könnten die weltweit steigenden Temperaturen die Auswirkungen von El Niño verstärken und ihre Vorhersehbarkeit erschweren.

Verursacht El Niño Katastrophen?

Durch die Störung globaler Wettermuster, kann El Niño die Wahrscheinlichkeit von extremen Wetterereignissen in manchen Teilen der Welt erhöhen.  

In bisherigen El Niño Ereignissen war die Westküste Südamerikas, vor allem Peru, von starken Stürmen, die Schäden und Überschwemmungen zur Folge hatten, betroffen. Dies kann auch Auswirkungen weiter im Inland haben. Als El Niño in 2019 in Paraguay Überschwemmungen zur Folge hatte, war ShelterBox  zur Ünterstützung der Betroffenen im Einsatz. Auch im Südwesten der USA, in Zentralasien und dem Horn von Afrika kann es zu Stürmen und starkem Niederschlag kommen.

Umgekehrt erfahren andere Regionen wärmeres Wetter und potentielle Dürreverhältnisse. Besonders Australien, Indonesien, Teile Südasiens wie Indien und Zentralamerika sind diesen Risiken ausgesetzt. Vergangene El Niño Ereignisse haben auch in Teilen Zentralafrikas, wie zum Beispiel Äthiopien, zu Dürren und Hitzewellen geführt. 

Im globalen Kontext können Wettermuster beeinflusst werden und Temperaturen steigen. Dies könnte die Effekte des Klimawandels verstärken, die bereits jetzt viele Menschen weltweit beeinflussen.

Während El Niño in erster Linie Personen in bestimmten Regionen beeinflusst, ist es wichtig anzumerken, dass jedes El Niño Ereignis anders ist. Somit kann sein Einfluss nie mit Sicherheit vorhergesehen werden.

El Niño Ereignisse haben in der Vergangenheit beispielsweise zu stärkeren Regenfällen im Süden Kaliforniens geführt. Dies trat 2016 jedoch nicht auf, als gehofft wurde, dass potentielle Regenfälle die starke Dürre in der Region beenden würde.

Veränderungen in globalen Wetterverhältnissen durch  El Niño haben das Potenzial, Probleme zu verusachen. Es sind jedoch die Entscheidungen, die wir als Menschen machen, die entscheiden ob sich Naturereignisse wie Dürren oder Stürme  zu einer Katastrophe entwickeln. 

Faktoren wie die Lage von Häusern, Lebensumstände und wie gut Regierungen und Behörden auf solche Ereignisse vorbereitet sind, beeinflussen das Risiko einer Katastrophe maßgeblich.

Bei ShelterBox vermeiden wir aus diesem Grund den Begriff “Naturkatastrophe”. Wir dürfen nicht übersehen, welche Rolle der Mensch dabei spielt, dass potenziell gefährliche Wetterveränderungen durch El Niño zu einer Katastrophe werden. Wir sollten auch nicht davon ausgehen, dass die Folgen immer die gleichen sind oder denken, dass nichts tun können, um Katastrophen vorzubeugen. 

Lesen Sie mehr darüber, wie wir Katastrophen beschreiben und warum.

Wieso Katastrophen nicht natürlich sind
Cracked and dry ground due to drought

Welche Auswirkungen hat El Niño auf Menschen?

Die Veränderungen im Wetter, die El Niño mit sich bringt, bergen das Potenzial, zu Katastrophen zu führen. Es wird sogar vermutet, dass El Niño zum Untergang antiker Zivilisationen in Südamerika verursacht haben könnte, unter anderem die Moche und die Inka. 

In Gebieten, die von starken Stürmen und heftigen Regenfällen aufgrund des El Niño betroffen sind, besteht die Gefahr schwerer Überschwemmungen oder Windschäden. ShelterBox hat in der Vergangenheit bei Überschwemmungen, die von El Niño verursacht waren (Peru, 2017 und Paraguay 2019) unterstützt.
Für andere Regionen mag es eine Verringerung des Niederschlags geben, was zu Hitzewellen und Dürren führt. Diese Wiederum können Waldbrände zur Folge haben. 

So verheerend diese Ereignisse auch sein mögen, gibt es noch weitere mögliche Auswirkungen von El Niño. Schwere Stürme, übermäßige Niederschläge, Dürren und Hitzewellen können ebenfalls Schäden anrichten und Ernten sowie Viehbestände zerstören.

Es kann auch Auswirkungen auf Fischbestände geben, vor allem um Südamerika herum. Dies kann eine Nahrungsmittelknappheit zur Folge haben, die möglicherweise zu Verdrängung und Konflikt führen kann. Es wird vermutet, dass ein El Niño Ereignis zu Ernteausfällen geführt hat, die zur Auslösung der Französischen Revolution in 1789 beigetragen haben.

Verändernde Wetterverhältnisse könnten auch zu einem Anstieg bestimmter Krankheiten führen. Wärmere Wetterverhältnisse könnten einen Anstieg  an durch Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria oder Dengue Fieber verursachen. Auch das Risiko einer Infektion mit wasserbürtigen Krankheiten, wie Cholera, oder sogar der Pest könnte steigen.

Woman smiling at the camera while holding a black guinea pig
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Lilian and her son's pet guinea pig
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Wie kann ShelterBox helfen?

Wir sind der Überzeugung, dass niemand nach einer Katastrophe ohne Obdach sein sollte.

In der Vergangenheit haben wir auf mit El Niño in Verbindung gebrachte Überschwemmungen in Paraguay reagiert. Lilian ist eine der Personen, die wir dort kennenlernen durften. Als ShelterBox sie kennengelernt hat, lebte sie mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in einer Notunterkunft, nachdem ihr zu Hause 2019 überschwemmt worden war. Es wurde durch die Überschwemmungen stark beschädigt und Lilian hatte Angst davor, zurückzukehren und die Schäden zu begutachten. Wie so viele, konnten sie und ihre Familie es sich nicht leisten, weiter entfernt vom Fluss zu leben. ShelterBox unterstützte Lilian mit einem Solarlicht und Decken, die sie in der Notunterkunft nutzen konnte. Außerdem gaben wir der Familie ein Shelter Kit, mit dem Lilian plante, ihr zu Hause zu reparieren.

Wir können nicht wissen, ob die derzeitige El Niño Phase zu Katastrophen führen wird. Trotzdem können wir mit der Hilfe der Personen, die uns unterstützen da sein, wenn von Katastrophen betroffene Personen unsere Unterstützung am nötigsten gebrauchen können.

Porträt eines pakistanischen Mannes, der vor einem Notfallzelt steht
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Als schwere Überschwemmungen im Norden und Süden Pakistans Verwüstungen anrichteten, verlor Abdul, Vater von vier Kindern, sein Zuhause und seine Existenzgrundlage. Nachdem sie ein ShelterBox-Zelt erhalten hatten, erzählten uns Abdul und seine Familie, dass sie froh seien, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben.
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