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Vulkane in Italien

3 October 2020

Skyline von Neapel mit dem Vesuv

Die Erde ist ein aktiver Feuerball. Unter ihrer Kruste brodelt, glüht und brennt es – und jährlich brechen rund 50 der mehr als 500 aktiven Vulkane aus. Seit dem Jahr 1700 verloren über 300.000 Menschen ihr Leben.

Außerdem wurden zahllose Städte und ganze Regionen verwüstet. Ein von Vulkanausbrüchen bedrohter Teil dieser Welt ist das südliche Italien. Die Erdkruste unterhalb des Landes ist hochaktiv, da die Kontinentalplatten Europas und Afrikas dort aufeinandertreffen.

Der Vesuv: Verursacher einer der größten Naturkatastrophen der Antike

Direkt neben Neapel erhebt sich einer der gefährlichsten Vulkane der Welt: der Vesuv. Sein Ausbruch im Jahre 79 n. Chr. verhalf ihm zu traurigem Weltruhm. Damals fielen die römischen Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiae seiner Macht zum Opfer – und auch heute noch wird der Vesuv von Forscher:innen bewacht. Bricht er nämlich aus, bleibt den 3,5 Millionen Bewohnenden nicht viel Zeit, um die Hochrisiko-Region zu verlassen. In drei Tagen müssen die Menschen aus dem Gebiet evakuiert werden, sobald Expert:innen Alarm schlagen. Schließlich ist der Feuerberg für seine plötzlichen sowie heftigen Ausbrüche bekannt. Seit seinem letzten Ausbruch im Jahr 1944 schläft der Vesuv allerdings. Für eine baldige Aktivität gibt es momentan keine Anzeichen.

Antike Stadt Pompeji mit dem Vesuv

Die Phlegräischen Felder: Millionen wohnen unweit tickender Zeitbomben

Neapel grenzt an ein Gebiet mit dem höchsten Vulkanrisiko der Welt. Grund dafür ist eine gigantische Glutblase unter den Phlegräischen Feldern. Die Entwicklung der Fläche ist besorgniserregend. Hier werden immer wieder Erdbeben registriert.

Wissenschaftler:innen und Geolog:innen sind überzeugt: Ein Ausbruch des Supervulkans ist theoretisch jederzeit möglich. Auch steigende Temperaturen deuten auf einen zukünftigen Ausbruch hin. Ob dies heute, morgen oder vielleicht erst in 2000 Jahren passiert, ist noch unklar. Doch die ca. vier Millionen Menschen in und um Neapel sitzen auf diversen Pulverfässern.

350.000 Menschen von ihnen leben allein in der am stärksten gefährdeten „Roten Zone“. Man kann sich ausmalen, was passieren würde, wenn Hunderttausende bei einem Ausbruch fliehen müssten. Auf der Tangenziale, der Stadtautobahn in Richtung Neapel, und auf den vielen kleinen Straßen rund um Pozzuoli stauen sich schon jetzt zu Stoßzeiten die Autos. Im Notfall wären alle Wege aus der Katastrophe hoffnungslos verstopft.

Solfatara

Der Ätna: dramatische Risiken durch Hangrutschungen

Als Europas mächtigster Vulkan prägt der Ätna mit seinen 3352 Metern die Silhouette Siziliens. An seinen Flanken geschieht immer wieder Dramatisches: Lavaströme zerstören Häuser, Erdbeben erschüttern die Region und die Stadt Catania wird immer wieder mit einer Schicht Asche überzogen.

Seit dem Jahr 693 v. Chr. wurden bereits mehrere Ausbrüche dokumentiert. Seitdem erschüttern immer wieder neue Eruptionen die Insel Sizilien und auch in diesem Jahrhundert ist er bereits mehrfach ausgebrochen, zuletzt 2019. Dabei wurden an Heiligabend durch ein Erdbeben am Ätna mehrere Menschen verletzt und es entstanden zusätzlich immense Schäden.

Doch die größte Bedrohung geht nicht von einer Eruption, sondern vom instabilen östlichen Hang aus. Ruckartig rutscht dieser mehrere Zentimeter pro Jahr ins Mittelmeer. Diese Bewegung könnte letztendlich einen Tsunami in Bewegung setzen.

Vulkan Ätna

Der Stromboli: Insel mit ständiger Aktivität

Eine ähnlich hohe Gefahr stellt der Stromboli im Tyrrhenischen Meer als aktivster Vulkan Europas dar. In unregelmäßigen Abständen lösen mehrere Krateröffnungen größere und kleineren Erschütterungen aus. Vor der Nordküste Siziliens ist er seit den 1930er-Jahren fast ununterbrochen aktiv und speit Asche sowie Lava.

Im Dezember 2002 brach bei einem Ausbruch ein Teil des Vulkankegels ab. Die dadurch folgende Rutschung verursachte einen bis zu 20 Meter hohen Tsunami, der schwere Schäden im Inselort Ginostra anrichtete. Zuletzt wurden im Juli 2020 Gestein und Lava aus dem Krater geschleudert. Verletzt wurde bei seiner explosiven Aktivität allerdings niemand. Das mag daran liegen, dass das ausgeworfene Material meist in den Krater zurückfällt oder manchmal direkt ins Meer rollt. Die rund 800 Bewohner der Insel Stromboli müssen daher keinen Lavastrom, der in Richtung ihrer Häuser fließt, befürchten. Allerdings droht auch hier bei einem großen Ausbruch ein Tsunami.

Vulkan Stromboli

Vulkane Italiens: Segen und Fluch zugleich

Doch auch wenn die Vulkane in Italien eine permanente Gefahr für die Bevölkerung darstellen und sie unter ständiger Beobachtung stehen, zieht man doch auch Vorteile aus den geologischen Phänomenen.

Sie fungieren nicht nur als Touristenmagnete und locken jedes Jahr unzählige Besucher:innen an, sondern werden etwa auch als Thermal- und Mineralquellen genutzt. Zudem wird die äußerst fruchtbare Erde am Fuße der Vulkane zum ertragreichen Anbau für Zitronen, Oliven oder Feigen verwendet. Gleichzeitig bietet sie die Grundlage für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.