Unsere Response Teams werden weltweit eingesetzt. Wir unterstützen Personen, die eine Notunterkunft brauchen, wenn Konflikte, Klimakatastrophen oder Ereignisse, wie Erdbeben dazu führen, dass Menschen nicht in ihr Zuhause zurückkehren können. Wir haben eine Pflicht zur Fürsorge gegenüber den Menschen, die wir unterstützen, sowie gegenüber unseren eigenen Mitarbeitenden und Freiwilligen.

Die Förderung einer positiven Work-Life-Balance und die Unterstützung des Wohlbefindens in unserer gesamten Organisation sind von entscheidender Bedeutung. Dazu gehören auch unsere Response Teams, die auf Katastrophen reagieren, bei denen der Druck besonders hoch sein kann.

Aus diesem Grund bieten wir seit zehn Jahren psychologische Unterstützung für die Mitglieder unserer Response Teams, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben. Dazu nutzen wir ein traumafokussiertes Peer-Support-System namens TRiM. Dieses System wurde ursprünglich von den britischen Streitkräften entwickelt und wird mittlerweile in größerem Umfang eingesetzt. Es hilft dabei, das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Menschen durch strukturierte Gespräche zu überwachen und zu unterstützen. Unser TRiM-Team hat nach Verkehrsunfällen und Erdbeben-Nachbeben Unterstützung geleistet.

Mentale Gesundheit vor, nach und während der Einsätze unterstützen

Wenn unsere Teams zur Unterstützung von Betroffenen eingesetzt werden, erhöhen die hohe Arbeitsbelastung, die Herausforderungen bei Einsätzen in Katastrophengebieten und die potenzielle Konfrontation mit traumatischen Ereignissen das Risiko für psychische Erkrankungen. Dies gilt für den gesamten humanitären Sektor. Oftmals haben betroffene Gemeinden schreckliche Ereignisse durchlebt. Unsere Response Teams sind nicht immun gegen indirektes Trauma. Zu hören, was Betroffene erlebt haben und die Zerstörung zu sehen, kann einen immensen Einfluss haben.

Das erste Mal in einer solchen Umgebung kann für jede Person schockierend sein. Andererseits kann es für jene, die ähnliche Erfahrungen schon einmal gemacht haben, einen kumulativen Effekt haben, die herausfordernd sein können.

Zusätzlich wird die Verarbeitung und Erholung von Trauma durch lange Arbeitstage, Krankheit und das Zurechtfinden müssen in fremden Umgebungen erschwert.

Ein Mann läuft inmitten von zerstörten Gebäuden in den Philippinen
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Dave Ray im Einsatz in den Philippinen nach dem Typhoon Rai
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Ich habe TRiM kennengelernt, nachdem ich Erdbeben erlebt und enorme Schäden gesehen hatte, während ich an ShelterBox-Einsätzen wie in Lombok (Indonesien) und der Türkei mitgearbeitet habe; bei Einsätzen in Hochsicherheitssituationen wie in Haiti und Somalia und vor allem in Ländern wie Malawi und Bangladesch, wo das Gefühl, dass ich „nicht genug tun konnte“, um den Menschen zu helfen, einen großen Eindruck auf mich gemacht hat. Ich habe sehr von TRiM profitiert, da es mir hilft, Gefühle zu verstehen und auszudrücken, die ich vielleicht habe, für die mir aber die Worte fehlen. Als Praktiker finde ich es ein sehr wirkungsvolles Instrument, um Menschen dabei zu helfen, dasselbe zu tun.

Dave Ray

TRiM mit unseren Response Teams nutzen

Wir verfolgen einen menschenzentrierten Ansatz für das Wohlbefinden. TRiM gibt uns die Werkzeuge an die Hand, um nach einem potenziell traumatischen Ereignis, einschließlich eines Einsatzes,  Unterstützung zu leisten. Jede Person, die für ShelterBox im Einsatz ist, erhält eine Nachbesprechung mit ausgebildeten TRiM-Praktiker:innen, entweder einzeln oder in der Gruppe. Dies gilt unabhängig davon, ob ein Trauma gemeldet wurde oder nicht. So fühlen sich Menschen, die möglicherweise Unterstützung benötigen, nicht ausgegrenzt. Außerdem gibt es unseren Teams die Möglichkeit, mit Mitarbeitenden zu sprechen, anstatt mit Freunden und Familie, was laut Studien weniger effektiv und schwieriger sein kann.

Aufgrund unserer Kapazitäten und unseres Schwerpunkts auf Notunterkünften sind wir nicht in der Lage, den betroffenen Communitys Unterstützung für ihr Wohlergehen anzubieten. Aber wir sind uns dessen bewusst. Unsere Teams hören aktiv zu. Wir achten darauf, Personen in Gesprächen – auch bei der Sammlung von Informationen – nicht erneut zu traumatisieren. Bei ernsthaften Bedenken arbeiten wir mit unseren Partnern und Interessengruppen zusammen, um die Weiterleitung an relevante Dienste sicherzustellen.

Eine Frau in blauem Oberteil steht neben Hilfsgütern in Malawi
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Jemima Evans im Einsatz in Malawi
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Als ich von unserem Einsatz nach den Erdbeben in der Türkei und Syrien nach Hause kam, fühlte ich mich gebrochen. Ich hatte noch nie  Zerstörung dieses Ausmaßes gesehen und manchmal hatte ich das Gefühl, dass es trotz all unserer Bemühungen niemals genug sein würde.

Jemima Evans

Die Zusammenarbeit mit einem TRiM-Praktiker hat mir wirklich geholfen, alles zu verarbeiten, was passiert ist, und die Ereignisse, die ich erlebt habe, zu verarbeiten. Es ist wirklich wichtig, dass wir auf uns selbst achten und unsere psychische Gesundheit nicht länger ignorieren, damit wir besser in der Lage sind, Communitys nach einer Katastrophe zu unterstützen.

TRiM ist ein hervorragendes Werkzeug, das ich bei Bedarf wieder nutzen werde. Ich fühle mich nun besser auf zukünftige Einsätze vorbereitet. Auch wenn ich nie vergessen werde, was passiert ist, hat es mir geholfen, nach vorne zu schauen

Jemima Evans

TRiM bei ShelterBox

Über die Organisation verteilt, unterstützen uns über 20 Personen, die TRiM praktizieren. Sie alle haben eine gründliche Schulung bei einer Organisation namens March on Stress absolviert. Sie sind darin geschult, Anzeichen von Stress bei Menschen zu erkennen, die sonst möglicherweise unbemerkt bleiben würden, und diese Menschen an zusätzliche Hilfsangebote zu verweisen. Die Schulung ist evidenzbasiert und wird mit Unterstützung von drei internen Manager:innen regelmäßig überprüft und aktualisiert.

Eine TRiM-Maßnahme ist darauf ausgelegt, mit Führungskräften zusammenzuarbeiten und diese einzubeziehen. Dabei wird die Vertraulichkeit der Personen, deren Risiko bewertet wurde, gewahrt. Unser CEO hat nach seinem ersten Einsatz eine TRiM-Nachbesprechung absolviert. Zusammen mit anderen Führungskräften unterstützt er uns dabei, sicherzustellen, dass alle Mitarbeitenden der Organisation über die verfügbaren Unterstützungsangebote informiert sind.

TRiM ist in unseren Notfallplänen verankert, und wir führen Übungen mit Führungskräften durch, um dieses Verständnis zu fördern und uns auf Worst-Case-Szenarien vorzubereiten.

Wir sprechen bei ShelterBox offen über die Unterstützung, die wir anbieten, und die Gründe dafür; unter anderem auch im Rahmen von E-Learning-Kursen. Diese sind für alle einsatzfähigen Mitarbeitenden und Freiwilligen verpflichtend. So wissen Menschen, die einem Trauma ausgesetzt sind, welche Unterstützung ihnen zur Verfügung steht und wie sie diese in Anspruch nehmen können. Dies kann auch dazu beitragen, das Stigma im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen abzubauen. Beratung und zusätzliche Unterstützung für das Wohlbefinden können über unser Mitarbeiterhilfsprogramm (Employee Assistance Programme, EAP) in Anspruch genommen werden. Dieses ist vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr verfügbar.

Eine Gruppe an Menschen geht durch ein Vertriebenenlager in Somalia
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Dave Ray (links) war eines der ShelterBox Response Team Mitglieder in Somalia
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Die Arbeit, die wir sowohl vor Ort als auch in der Zentrale leisten, kann sehr stressig und unbeständig sein, und wir sind Situationen ausgesetzt, die in vielerlei Hinsicht traumatisch sein können. Das Risiko für Burnout und negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit ist hoch und sehr real, und TRiM ist ein unverzichtbares Instrument, um zu verstehen, wie es den Menschen wirklich geht.

Dave Ray

Es handelt sich dabei zwar nicht um eine Heilung oder Behandlung für psychische Probleme, aber es soll Probleme aufzeigen, damit die Betroffenen bei Bedarf an weitere Hilfsangebote verwiesen werden können. Ich konnte weitere Unterstützung durch andere Dienste in Anspruch nehmen, darunter unser Mitarbeiterhilfsprogramm (EAP), und ich weiß, dass andere das Gleiche getan haben, seit ich sie mit TRiM befragt habe.

Es ist ein sehr wertvolles Instrument, um sicherzustellen, dass wir alle in der Lage und bereit sind, die täglichen Herausforderungen zu meistern, denen wir bei der Bereitstellung von Dienstleistungen für Betroffene gegenüberstehen.

Dave Ray

Neben der Traumabehandlung haben wir auch ein Team von Ersthelfenden für psychische Gesundheit, die sich um das Wohlbefinden kümmern. Einige von ihnen haben eine Ausbildung in angewandten Suizidpräventionsmaßnahmen (ASIST) absolviert. Sie unterstützen Mitarbeitende bei alltäglichen Stressfaktoren. Dazu können allgemeine psychische Probleme, Selbstfürsorge und Bewältigungsstrategien gehören.

Wir unterstützen andere Organisationen, die noch am Anfang ihrer TRiM-Reise stehen. In diesem Rahmen beraten wir sie dazu, wie wir TRiM bei ShelterBox umgesetzt haben, und teilen unsere positiven Erfahrungen mit ihnen.

Unsere zentralen Werte bei ShelterBox sind Integrität, Flexibilität, Partizipation und Lernfähigkeit. TRiM hilft uns dabei, Verantwortung dafür zu übernehmen, unser Bestes zu geben – nicht nur für diejenigen, die wir unterstützen, sondern auch füreinander. Es hilft uns dabei, uns anzupassen und Herausforderungen zu meistern, uns gegenseitig zu unterstützen und gleichzeitig nach Möglichkeiten zu suchen, unsere Arbeitsweise weiter zu verbessern.