Flooding in Paraguay in 2019

Was ist El Niño?

El Niño ist ein natürliches Klimamuster, das entsteht, wenn sich die Meeresoberflächentemperaturen in Teilen des Pazifiks stärker erwärmen als im Durchschnitt. Es ist eine Phase der El Niño-Southern Oscillation (ENSO), eines Klimazyklus, der das Wetter rund um den Globus beeinflusst.

Normalerweise ist das Wasser im Pazifik im Westen – rund um Australien und Asien – wärmer und im Osten – vor der Westküste Amerikas – kühler. Auch die vorherrschenden Winde wehen über dem Ozean von Ost nach West. Das ist der neutrale Zustand der ENSO.

Bei einem El-Niño-Ereignis steigen die Temperaturen im Pazifik, besonders vor der Küste Südamerikas. Gleichzeitig lassen die vorherrschenden Winde über dem Pazifik nach oder kehren sich in extremen Fällen sogar um. Das kann erhebliche Auswirkungen auf das weltweite Wettergeschehen haben: Manche Regionen werden anfälliger für Dürren und Hitzewellen, während andere häufiger von schweren Stürmen und Überschwemmungen betroffen sind.

 

People in ShelterBox office tracking a storm on a screen

Warum heißt es El Niño?

Der Name El Niño kommt aus dem Spanischen und bedeutet „der kleine Junge“ oder „Christkind“. Peruanische Fischergemeinden bemerkten um die Weihnachtszeit ungewöhnlich warmes Meerwasser und nannten das Phänomen „El Niño de Navidad“ (das Christkind). Wissenschaftler übernahmen den Namen später für das Klimamuster, wie wir es heute kennen.

El Niño ist Teil eines schwankenden Musters von Meerestemperaturen im Pazifik. Sein Gegenstück ist La Niña („das Mädchen“) – eine Phase, in der die Wassertemperaturen im Pazifik kühler als üblich ausfallen und ebenfalls das Weltwetter beeinflussen. In der Regel treten El Niño und La Niña alle zwei bis sieben Jahre auf, mit neutralen Phasen dazwischen. Es gibt jedoch kein festes Muster, und Abweichungen kommen vor: So waren beispielsweise die Winter 2020 bis 2022 durchgehend von La Niña geprägt.

Sowohl El Niño als auch La Niña dauern in der Regel neun bis zwölf Monate an, wobei sich ihre stärksten Auswirkungen meist im Winter der Nordhalbkugel zeigen.

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Image Credit: Hussain Ali/Anadolu/Getty Images
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Steht El Niño im Zusammenhang mit dem Klimawandel?

El Niño ist ein natürliches Klimamuster, das seit Jahrhunderten Teil des Erdklimasystems ist. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchen nach wie vor, wie der Klimawandel El Niño beeinflussen könnte – bislang gibt es jedoch keine eindeutigen Belege dafür, dass die globale Erwärmung El-Niño-Ereignisse häufiger oder intensiver werden lässt.

Auch wenn der Zusammenhang zwischen Klimawandel und El Niño nicht abschließend geklärt ist, sind sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einig, dass sich die Auswirkungen von El Niño in einer wärmeren Welt verstärken können. Da die globalen Temperaturen steigen, treffen El-Niño-Ereignisse heute auf ein ohnehin wärmeres Klima – was zu intensiverer Hitze, stärkeren Regenfällen und extremeren Wetterbedingungen in manchen Regionen beitragen kann.

Zwar lässt sich nicht jede einzelne Auswirkung mit Sicherheit vorhersagen, doch das Zusammenspiel von El Niño und menschengemachtem Klimawandel kann das Risiko von Gefahren wie Überschwemmungen, droughts, heatwaves and wildfires, with significant consequences for communities around the world.

Verursacht El Niño Katastrophen?

El Niño kann die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse in manchen Teilen der Welt erhöhen, indem es die üblichen Niederschlags- und Temperaturmuster durcheinanderbringt. Die Auswirkungen fallen je nach Region unterschiedlich aus, können jedoch zu Gefahren wie Überschwemmungen, Dürren und schweren Stürmen beitragen.

El Niño und Überschwemmungen

El Niño bringt häufig stärkere Regenfälle in Teile Südamerikas, etwa nach Peru, sowie in Regionen wie den östlichen Teil Afrikas und Teile Zentralasiens. Die erhöhten Niederschläge können zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Schäden an Häusern und Infrastruktur führen. ShelterBox hat bereits auf El-Niño-bedingte Überschwemmungen reagiert, unter anderem 2019 in Paraguay in 2019, wo der hohe Wasserstand Familien zur Flucht aus ihren Häusern zwang.

El Niño und Dürren

Während manche Gebiete feuchter werden, erleben andere anhaltende Trockenheit. Australien, Indonesien, Zentralamerika und Teile Südasiens sind bei El-Niño-Ereignissen häufig einem erhöhten Dürrerisiko ausgesetzt. Geringere Niederschläge können Ernten, Viehbestände und die Wasserversorgung beeinträchtigen und so das Risiko von Ernährungsunsicherheit und Vertreibung erhöhen.

El Niño und Stürme

El Niño kann außerdem die Sturmaktivität weltweit beeinflussen. Manche Regionen erleben ein erhöhtes Risiko für starke Regenfälle und schwere Stürme, während andere trockener als üblich ausfallen. Da El Niño das Wettergeschehen global verändert, unterscheiden sich seine Auswirkungen von Ort zu Ort und von einem Ereignis zum nächsten.

Wann wird aus einer Gefahr eine Katastrophe?

Gefahren wie Überschwemmungen, Stürme und Dürren werden nicht automatisch zu Katastrophen. Faktoren wie Wohnverhältnisse, Infrastruktur, Lebensbedingungen sowie die Vorbereitung von Regierungen und Behörden entscheiden mit darüber, wie stark eine Gemeinschaft betroffen ist.

Bei ShelterBox vermeiden wir daher bewusst den Begriff „Naturkatastrophe“. Denn auch wenn El Niño ein natürliches Klimamuster ist, dürfen wir die menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren nicht außer Acht lassen, die aus einer Gefahr eine Katastrophe machen können. Ebenso wenig sollten wir davon ausgehen, dass ein solcher Verlauf unausweichlich ist.

Warum Katastrophen nicht natürlich sind
Cracked and dry ground due to drought

Welche Auswirkungen hat El Niño auf die Menschen?

Die Folgen von El Niño reichen weit über veränderte Wetterlagen hinaus. Wenn Überschwemmungen, Dürren und andere Gefahren Häuser, Existenzgrundlagen und Infrastruktur treffen, stehen betroffene Gemeinschaften oft vor langwierigen Herausforderungen beim Wiederaufbau.

Eines der größten Risiken betrifft die Ernährungssicherheit: Veränderungen bei Niederschlag, Temperatur und Meeresbedingungen können Ernteerträge mindern, Viehbestände beeinträchtigen und Fischereigemeinden treffen – mit der Folge von Nahrungsmittelknappheit und steigenden Preisen.

Auch die Gesundheit ist gefährdet und das Risiko von Vertreibung steigt: Überschwemmungen, Dürren und andere Extremwetterereignisse können Menschen zur Flucht aus ihren Häusern zwingen, während bestimmte Bedingungen die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber und Cholera begünstigen können.

Erfahren Sie mehr darüber, wie El Niño Gemeinschaften weltweit betrifft – von Überschwemmungen in Malawi und Peru bis hin zu Dürre und Vertreibung in Somalia.

Mehr erfahren

Warum es wichtig ist, auf El Niño vorbereitet zu sein

El Niño kann das Risiko von Überschwemmungen, Dürren und anderen Extremwetter-Gefahren in unterschiedlichen Teilen der Welt erhöhen. Auch wenn sich Extremwetter nicht immer verhindern lässt, können sich Gemeinschaften und humanitäre Organisationen darauf vorbereiten.

Wettervorhersagen helfen dabei, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. So können Hilfsorganisationen lokale Partnerschaften stärken, Hilfsgüter vorab positionieren und Einsatzpläne entwickeln, bevor eine Katastrophe eintritt. Das wird umso wichtiger, wenn mehrere Regionen gleichzeitig von Notlagen betroffen sein können – was zu komplexeren und sich überschneidenden humanitären Herausforderungen führt.

Vorsorge hilft Organisationen zudem, schneller und wirksamer zu reagieren, wenn Menschen ihr Zuhause verlieren. Durch verbesserte Lieferketten, ein breiteres Netz an Zulieferern und starke Beziehungen zu lokalen Partnern schon vor einer Katastrophe sind humanitäre Organisationen besser aufgestellt, um betroffene Gemeinschaften dann zu unterstützen, wenn sie es am dringendsten brauchen.

Unser Fokus auf Lokalisierung und Vorsorgearbeit hat uns in den vergangenen Jahren bei ShelterBox in eine starke Position gebracht, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Indem wir unsere Beziehungen zu lokalen Partnern weiter festigen und Hilfsgüter an noch mehr zentralen Orten weltweit vorpositionieren, haben wir die besten Chancen, Menschen schnell zu erreichen, wenn eine Katastrophe eintritt.

— Dave Raybould, Emergency Coordinator

Woman smiling at the camera while holding a black guinea pig
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Lilian and her son's pet guinea pig
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Wie kann ShelterBox helfen?

Wir glauben: Niemand sollte nach einer Katastrophe ohne Obdach sein.

Wir haben bereits Menschen unterstützt, die von El-Niño-bedingten Überschwemmungen betroffen waren – darunter Lilian in Paraguay. 2019 zwangen schwere Überschwemmungen Lilian, ihren Mann und ihre Familie dazu, ihr Zuhause zu verlassen und in eine provisorische Unterkunft zu ziehen. Wie viele Familien am Fluss Paraguay konnten sie es sich nicht leisten, in eine sicherere Gegend umzuziehen.

ShelterBox stellte der Familie Solarlampen, Decken und ein Shelter Kit zur Verfügung, um ihr die Zeit der Vertreibung zu erleichtern und den Wiederaufbau ihres durch die Flut zerstörten Zuhauses zu unterstützen. Lilian berichtete, dass die Solarlampe ihrer Familie in der Dunkelheit der provisorischen Siedlung ein Gefühl von Sicherheit gab.

Wir können nicht genau vorhersagen, wie sich künftige El-Niño-Ereignisse entwickeln werden – doch wir können bereit sein, Gemeinschaften zu unterstützen, die von Überschwemmungen, Dürren und anderen Extremwetter-Gefahren betroffen sind. Mit der Unterstützung unserer Spender, Spenderinnen, Partner und lokalen Netzwerke helfen wir Menschen, nach einer Katastrophe ihr Zuhause wieder aufzubauen und sich schneller zu erholen.

El Niño FAQs

Könnte El Niño auch Deutschland betreffen?

Direkte Auswirkungen von El Niño auf das Wetter in Deutschland sind schwer vorherzusagen und wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Europa gilt als der Kontinent, den El Niño am wenigsten unmittelbar beeinflusst, da das lokale Wettergeschehen vor allem vom Atlantik geprägt wird. Zwar wird immer wieder diskutiert, ob ein Zusammenhang zwischen El Niño und bestimmten Wetterlagen in Europa besteht – etwa milderen Wintern, wie nach dem starken El-Niño-Ereignis 2015/16 – belastbare, verlässliche Muster gibt es dafür aber nicht.

Deutlicher spürbar sind die indirekten Folgen: Ernteausfälle durch El Niño in wichtigen Anbauregionen weltweit können die Preise für Produkte wie Kaffee, Kakao, Palmöl oder Zucker steigen lassen und globale Lieferketten unter Druck setzen. Auch wenn Deutschland selbst kaum von Wetterextremen durch El Niño betroffen ist, bekommen Verbraucher und Verbraucherinnen die wirtschaftlichen Folgen mitunter zu spüren.

Welche Weltregionen sind von El Niño betroffen?

El Niño wirkt sich je nach Region unterschiedlich aus. Zu den Ländern, die bei früheren El-Niño-Ereignissen besonders stark betroffen waren, zählen Peru, Ecuador, Indonesien, Australien, Äthiopien und Teile Zentralamerikas. Doch jedes El-Niño-Ereignis verläuft anders, und die Auswirkungen können von Mal zu Mal variieren.

Warum ist El Niño schwer vorherzusagen?

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen können erkennen, wenn sich El-Niño-Bedingungen entwickeln – wesentlich schwieriger ist es jedoch, genau vorherzusagen, wo die schwersten Auswirkungen auftreten werden.

Jedes El-Niño-Ereignis ist einzigartig und wirkt sich unterschiedlich auf Niederschlag, Temperatur und Wettermuster weltweit aus.

Was ist der Unterschied zwischen El Niño und La Niña?

El Niño und La Niña sind die gegensätzlichen Phasen der El Niño-Southern Oscillation (ENSO). El Niño ist mit überdurchschnittlich warmen Meeresoberflächentemperaturen im Pazifik verbunden, während bei La Niña die Temperaturen unterdurchschnittlich kühl ausfallen.

Beide Phänomene können das weltweite Wettergeschehen beeinflussen – allerdings auf unterschiedliche Weise.

Beeinträchtigt El Niño die Nahrungsmittelversorgung?

Ja. Veränderungen bei Niederschlag, Temperatur und Meeresbedingungen können Ernten, Viehbestände und Fischerei beeinträchtigen. Das kann die Nahrungsmittelproduktion senken, Preise steigen lassen und es manchen Gemeinschaften erschweren, ausreichend Zugang zu Nahrung.

Kann El Niño Menschen aus ihrem Zuhause vertreiben?

Ja. Überschwemmungen, Dürren und andere Extremwetter-Gefahren im Zusammenhang mit El Niño können Häuser beschädigen, Existenzgrundlagen zerstören und Menschen zwingen, vorübergehend Schutz zu suchen oder umzusiedeln.

Für Gemeinschaften, die bereits mit Armut, Konflikten oder der Klimakrise zu kämpfen haben, kann der Wiederaufbau besonders schwierig sein.

Können mehrere Regionen gleichzeitig von El Niño betroffen sein?

Ja. El Niño kann in manchen Teilen der Welt das Überschwemmungsrisiko erhöhen, während es andernorts zu Dürre beiträgt.

Das kann mehrere humanitäre Notlagen gleichzeitig auslösen und den Druck auf Gemeinschaften, Regierungen und humanitäre Organisationen erhöhen.

Wie wirkt sich El Niño auf die atlantische Hurrikansaison aus?

El Niño führt zu höheren Meerestemperaturen, erzeugt gleichzeitig aber auch stärkere Windscherung – eine Veränderung von Windgeschwindigkeit oder -richtung – in der Karibik und im Atlantik. Diese Windscherung kann die Entstehung und Verstärkung von Hurrikanen im Atlantik mildern.

Meteorologen und Meteorologinnen erwarten daher in El-Niño-Jahren häufig eine unterdurchschnittliche Hurrikanaktivität im Atlantik. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten, und eine ruhigere Saison bedeutet nicht zwangsläufig weniger Zerstörung.

Schon ein einziger Hurrikan, der auf Land trifft, kann schwere Schäden anrichten und Menschen vertreiben. Deshalb bleibt Vorsorge genauso wichtig, selbst wenn für die Hurrikansaison eine unterdurchschnittliche Aktivität vorhergesagt wird.

Wie könnte sich El Niño auf den humanitären Sektor auswirken?

El Niño kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass in verschiedenen Regionen gleichzeitig unterschiedliche Gefahren auftreten. Während manche Gemeinschaften von Überschwemmungen betroffen sein können, drohen anderen Dürre, Hitzewellen oder Ernährungsunsicherheit.

Diese sich überlagernden Krisen können humanitäre Organisationen zusätzlich unter Druck setzen. Umso wichtiger werden Vorsorge, Flexibilität und starke lokale Partnerschaften.

Porträt eines pakistanischen Mannes, der vor einem Notfallzelt steht
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Als schwere Überschwemmungen im Norden und Süden Pakistans Verwüstungen anrichteten, verlor Abdul, Vater von vier Kindern, sein Zuhause und seine Existenzgrundlage. Nachdem sie ein ShelterBox-Zelt erhalten hatten, erzählten uns Abdul und seine Familie, dass sie froh seien, wieder ein Dach über dem Kopf zu haben.
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