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Eine vergessene Krise: Fünf Dinge, die Sie über den Tigray-Konflikt wissen sollten

In diesem Blogbeitrag aus dem Jahr 2021 erfahren Sie mehr über die verheerende humanitäre Krise in Tigray, Äthiopien.

26 August 2021

Woman and children next to water tap filling plastic bottles in Tigray, Ethiopia

Derzeit spielt sich in Tigray, einer Region im Norden Äthiopiens, eine verheerende humanitäre Krise ab.

Und doch wissen nur wenige Menschen davon. Diese humanitäre Krise, die durch Nahrungsmittelknappheit, Konflikte und das Coronavirus noch verschärft wird, hat dazu geführt, dass fast 5 Millionen Menschen dringend Notunterkünfte und Hilfe benötigen. Hier sind fünf Dinge, die Sie über die Krise in Tigray, Äthiopien, wissen sollten.

 

1. Tigray stand bereits unter Druck

Tigray ist eine von zehn Regionen Äthiopiens. Sie liegt im äußersten Nordwesten des Landes und grenzt an Eritrea. Es ist die Heimat der Völker der Tigrayaner, Irob und Kunama, die etwa 6 % der Bevölkerung Äthiopiens ausmachen.

Tigray beherbergte bereits vor diesem jüngsten Konflikt 100.000 Binnenvertriebene und 96.000 Geflüchtete aus dem benachbarten Eritrea, wobei die Ernährungsunsicherheit bereits hoch war.

 

2. Der Konflikt ist politisch

Der Beginn des aktuellen Konflikts ist im November 2020 zu verorten.

Der Konflikt besteht zwischen der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) und der äthiopischen Regierung. Die TPLF spielte eine wichtige Rolle in einer Koalition ethnischer Parteien (der Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front – EPDRF), die mehr als drei Jahrzehnte lang die Regierung Äthiopiens führte.

Der äthiopische Premierminister Abiy Ahmed kam 2018 als Vorsitzender der EPDRF an die Macht, löste die Partei jedoch auf, um eine neue Partei ohne ethnische Spaltungen zu gründen. Die TPLF weigerte sich, diesem Schritt zu folgen.

Menschen mit Hilfspaketen in Tigray, Äthiopien
Menschen mit einer Tasche mit Hilfsgütern reagieren auf eine Krise, die durch den Tigray-Konflikt in Äthiopien verursacht wurde.
ShelterBox lieferte Notunterkünfte an Personen die in der Tirgay Region Äthiopiens vertriben wurden.

Abiy plante, im Sommer 2020 die ersten wirklich demokratischen Wahlen abzuhalten, verschob diese jedoch aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Coronavirus. Die TPLF beanstandete diesen Schritt mit der Begründung, dass er zu einer verfassungswidrigen Verlängerung von Abiys Amtszeit führe, und hielt eigene Regionalwahlen ab, die die Bundesregierung daraufhin für ungültig erklärte.

All dies führte im November 2020 zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der TPLF und den äthiopischen Regierungstruppen. Die äthiopische Regierung erklärte nach der Einnahme der Regionalhauptstadt Mekelle in Tigray schnell den Sieg in diesem Konflikt. Die Gewalt hielt jedoch an.

Zuletzt, am 28. Juni 2021, eroberte die Tigray Defence Force (TDF), zu deren wichtigsten Komponenten die TPFL gehört, Mekelle zurück, was eine neue Welle heftiger Kämpfe ausgelöst hat.

Seitdem unterstützt die äthiopische Regierung einen Aufruf der Übergangsregierung von Tigray zu einem Waffenstillstand.

3. Millionen von Menschen hungern

Im vergangenen Jahr verwüsteten Heuschreckenschwärme die Ernten und führten zu einer unsicheren Ernährungslage in der Region.

In diesem Jahr hinderte der Konflikt die Landwirt:innen daran, ihre Felder zu bestellen und ihre Ernten anzubauen.

353.000 Menschen haben bereits den „katastrophalen“ Notstand erreicht, weitere 2 Millionen befinden sich in einer „Krise“. Wenn eine weitere Ernte ausfällt, werden Millionen weiterer Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein, um nicht zu verhungern.

Die ersten, die dem Hunger zum Opfer fallen, sind oft kleine Kinder. Die Vereinten Nationen berichten, dass mehr als 30.000 Kinder vom drohenden Tod bedroht sind. Es ist bereits zu spät, um eine Hungersnot zu verhindern, aber schnelle Maßnahmen, die einen Waffenstillstand und einen umfassenden Zugang für humanitäre Hilfe fordern, können weitere Todesfälle verhindern.

Grafik mit Statistiken zum Konflikt in Tigray. Sie lautet: Konflikt in Tigray, Äthiopien. 4 wichtige Statistiken – 1. Über 500.000 Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. 2. In Tigray lebten bereits 100.000 Binnenvertriebene und 96.000 Flüchtlinge aus dem benachbarten Eritrea. 3. Über 4,5 Millionen Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe. 4. 353.000 Menschen befinden sich in einer „katastrophalen“ Nahrungsmittelnotlage, 2 Millionen in einer „Krisensituation“.

 

4. Über 500.000 Menschen wurden von ihrem Zuhause vertrieben und haben keine sichere Unterkunft

Eine sichere Unterkunft ist ein grundlegendes Menschenrecht. Leider benötigen diejenigen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, dringend eine sichere Unterkunft.

Viele leben in Schulen oder werden von Gastgemeinden aufgenommen. Die Lebensbedingungen sind beengt, unhygienisch, und vielen Gebäuden fehlen Türen und Fenster. Andere sind gezwungen, im Freien zu schlafen und unter Bäumen Schutz zu suchen, wodurch sie mit Beginn der Regenzeit dem Risiko einer Lungenentzündung oder Malaria ausgesetzt sind.

Da die Schulen mit Vertriebenen überfüllt sind, können die Kinder nicht zur Schule gehen. Zwar gibt es Bestrebungen, die Kinder wieder in die Klassenzimmer zu bringen, um ein Gefühl der Normalität wiederherzustellen, doch gibt es nicht genügend sicheres Land, um alle Vertriebenen, die noch nicht nach Hause zurückkehren können, unterzubringen.

ShelterBox Partner IOM demonstrieren Social-Distancing- und Hygienemaßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus.

 

5. Das Risiko, dass sich das Coronavirus schnell ausbreiten könnte, ist besorgniserregend

Äthiopien hat ein sehr fragiles Gesundheitssystem. Es gibt eine geringe Menge an qualifiziertem Personal und der Zugang zu ärztlicher Versorgung ist außerhalb der urbanen Zentren herausfordernd. Ein großer Ausbruch des Coronavirus könnte das Land demnach überwältigen.

Die Bedingungen in Tigray könnten dazu führen, dass sich das Coronavirus wie ein Lauffeuer ausbreitet, da viele vertriebene Communitys in überfüllten Gemeinschaftsunterkünften leben. Angesichts der Tatsache, dass so viele Menschen unter Nahrungsmittelknappheit und einem Mangel an sicheren Unterkünften leiden, ist es unwahrscheinlich, dass Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus wie Social Distancing und Händewaschen Priorität haben.

Während Hilfsorganisationen hart daran arbeiten, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, bedeuten einige Maßnahmen, wie die Beschränkung großer Versammlungen bei der Verteilung von Hilfsgütern, dass es länger dauert, bis jede Familie Hilfe erhält.

ShelterBox arbeitet intensiv daran, den betroffenen Familien in Tigray Notunterkünfte und lebenswichtige Hilfsgüter zur Verfügung zu stellen. Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um sicherzustellen, dass unsere Nothilfe die Menschen erreicht, die sie am dringendsten benötigen. Unterkünfte sind entscheidend, um Familien zu schützen und sie vor dem Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu bewahren. Bislang haben wir 18.000 Menschen in Tigray unterstützt.

 

Erfahren Sie mehr über unsere Arbeit in Äthiopien.

 

Ursprünglich von: Steph Christensen

Banner Quelle: IOM/Kaye Viray