Dienstag 30 August 2011
Als Katastrophenhelferin im Flüchtlingslager Kenia

Julia Schaper aus dem Rotaract Club Heidelberg reiste im Juli für ShelterBox als ShelterBox Response Team Mitglied (SRT) nach Kenia. Kennengelernt hatte sie die Hilfsorganisation 2009 und ist seitdem als Speaker tätig. Im März diesen Jahres absolvierte Julia die Ausbildung zum SRT so erfolgreich, dass sie kurz darauf direkt in den Einsatz gebeten wurde. Wieder in der Heimat zurück berichtet Sie nun von Ihren Eindrücken:
„Nach Abschluss meiner Ausbildung zum SRT wollte ich unbedingt so schnell wie möglich in den Einsatz. Am 29. Juli kam dann tatsächlich der Anruf aus England – ich sollte mit nach Kenia ins Flüchtlingscamp Dadaab fliegen. Die Aufregung und Freude darüber musste bald höchster Konzentration beim packen weichen. Ich wollte schließlich im abgelegen Ostafrika auf alles vorbereitet sein.
So kam ich am 6. August mit meinen Teamkollegen Ben Spurway, Joe Cannon und Laura Dale (alle UK) in Nairobi an, wo wir zunächst Organisatorisches erledigten: die Erlaubnis zur Reise nach Dadaab einholen, Absprache und Sicherheitseinweisungen mit anderen, vor Ort arbeitenden Hilfsorganisationen durchgehen.
ShelterBox ist auf Ersthilfe spezialisiert, und somit oftmals die erste und/oder einzige Organisation am Katastrophenort – anders bei diesem Einsatz. Das Flüchtlingscamp in Dadaab besteht bereits seit 20 Jahren. Die derzeitige große Not besteht in dem Zuwachs an Flüchtlingen, die täglich im Camp eintreffen. Bedingt durch die Dürre in Somalia liegt die Zahl der ankommenden Hilfesuchenden bei derzeit ca. 1.300 Personen pro Tag. So erfuhren wir vor Ort, dass gerade Obdach – also Zelte – Mangelware waren und begannen mit Hilfe des UNHCR und der IOM (Internationalen Organisation für Migration) die 2.000 ShelterBox-Zelte aufzubauen, die bereits in Dadaab lagerten. Durch diese Zusammenarbeit dauerte es nur eine Woche bis fast alle Zelte standen und die ersten Familien einziehen konnten. In der Zwischenzeit waren weitere 2.560 Zelte von ShelterBox in Dadaab angekommen, um die wir uns danach kümmerten.
Es war toll zu sehen, wie schnell bei guter Planung eine derart große Zahl an aufgebauten Zelten entstehen kann; vor allem in dem Wissen, wie sehr diese benötigt wurden. Dies verdeutlichte uns allen auch ein Besuch der abgezäunten Registrierungsstelle in Dadaab. Dort bekommen die neu ankommenden Flüchtlingsfamilien eine Nummer, werden medizinisch untersucht, erhalten eine Ration Wasser und Nahrung und werden anschließend wieder hinaus in die sogenannten „Outskirts“ (nahezu Wüste) geschickt, bis eine Unterkunft in den Campregionen frei wird. Die Einzelschicksale waren erschütternd: viele Frauen waren allein mit ihren Kindern unterwegs, hatten ihren Mann zu Hause bei den verendeten Tieren gelassen, kamen mit leeren Händen und hungernd. Oft wurden Familienangehörige oder Freunde auf der tagelangen Reise krank oder starben. Trotz allem bewahrten sich viele der Betroffenen etwas Hoffnung auf Hilfe, Nahrung, Obdach und die Rückkehr in ein Leben, in dem sie nicht jeden Tag um den Tod bangen müssen.
Ich bin froh, dass ich sehen konnte, wie wichtig und nötig die Arbeit von ShelterBox ist, und wie glücklich und dankbar diejenigen sind, denen diese Hilfe zuteil wird. Sich für ShelterBox zu engagieren bedeutet für die Meisten nicht nur einen Ausgleich zum redundanten und von der Wirtschaft bestimmten Alltag. Wer sich von der Idee und der effizienten und anpassungsfähigen Arbeitsweise der Organisation begeistern lässt, ist mit ganzem Herzen dabei – das Engagement wird zur Leidenschaft. Für mich persönlich war die Reise nach Kenia mehr als nur eine Aufgabe als freiwilliger, humanitärer Helfer. Sie hat mich stärker und wissender gemacht, und mich einer Handvoll wunderbarer, einzigartiger Menschen näher gebracht: meinen Team-Mitgliedern von ShelterBox.“

